Bericht zu den Maifestspielen 2015 des Roten Aufbau Hamburg

Bereits am Vormittag beteiligten sich AktivistInnen des Roten Aufbau Hamburg (Aufbau) an der „Never mind the Papers“-Demonstration gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik der Hansestadt und die Abschottung der EU. Hier wurde am Rand mit einer letzten Mobiaktion mit Transparenten und Pyrotechnik noch einmal zur Revolutionären 1. Mai Demonstration aufgerufen.
Am Abende versammelten sich dann etwa 1.500 Menschen am Bahnhof Altona, um an der revolutionären 1. Mai Demonstration unter dem Motto „Hamburg sieht rot!“ teilzunehmen, darunter viele Jugendliche. Besonders erfreulich war, dass hier wenig „Eventpublikum“ und Selfie-Knipser versammelt waren, sondern stattdessen Menschen die gemeinsam ihren Protest gegen den Kapitalismus auf die Straße tragen wollen. Der 1. Mai ist schließlich kein Kultur- oder Randaleevent sondern politischer Kampftag der Arbeiterklasse.
Die Demonstration startete lautstark und entschlossen mit einem gut aufgestellten Frontblock, wurde jedoch nach etwa 500 Metern bereits zum ersten Mal von einem massiven Polizeiaufgebot gestoppt. Die Polizei gab zwar vor Beginn der Demonstration an sich zurück halten zu wollen, ging jedoch gleich zu Beginn dazu über den Demonstrationsablauf wegen angeblicher Vermummungen zu behindern. Leider kam es dabei aus dem hinterem Bereich der Demonstration zu teils unkontrollierten Flaschen- und Böllerwürfen, welche an dieser Stelle völlig kontraproduktiv waren und eigene Leute gefährdet haben. Die Demonstration konnte jedoch nach kurzer Zeit ihren Weg lautstark fortsetzen und immer wieder mit Pyrotechnik auf sich aufmerksam machen, bis der erste Zwischenkundgebungsort erreicht wurde. Nachdem die Demonstration wieder in Bewegung war, wurde später auf der Königsstraße eine Tankstelle geplündert. Es kam zu Rangeleien mit den Bullen. Auch wenn wir Verständnis für solche Aktionen haben, fanden wir es zu diesem Zeitpunkt wenig förderlich, da es das Ziel der Demonstration, die Reeperbahn zu erreichen, fast verhindert hätte. Als Reaktion auf die Rangeleien griffen die Bullen daraufhin kurzerhand den Demonstrationszug an und verstreuten die Menge mit dem Einsatz von 2 Wasserwerfern und massiver Polizeigewalt. Dabei wurde nicht wie meist in den Vorjahren der Frontblock angegriffen, sondern die Demonstration hinter dem Lautsprecherwagen in zwei Teile gespalten, wahllos Leute verprügelt und der hintere Teil der Demonstration schließlich abgedrängt und verstreut. Bei diesem Angriff und der entsprechenden Gegenwehr kam es zu mehreren verletzten Teilnehmenden. Ein Interesse an Festnahmen schien die Polizei zu dieser Stelle überhaupt nicht zu haben. Offenbar wollten die Bullen die Demonstration nicht, oder zumindest nicht in voller Stärke, zu ihrer Abschlusskundgebung auf der Reeperbahn laufen lassen, sondern möglichst viele Leute durch wahllose und massive Gewalt verschrecken und verjagen. Einige derjenigen, welche von der Demonstration durch die Bullen verjagt wurden, starteten nun eigene Aktionen; während ein anderer Teil an entschlossenen und solidarischen Menschen sich schützend um den Lautsprecherwagen versammelte und versuchte wieder einen Demonstrationszug zu formieren. Nach einigem hin und her konnte die Demonstration schließlich, wenn auch durch den Wasserwerfer- und Prügeleinsatz der BFE stark dezimiert, ihre Route fortsetzen und wuchs auf dem Weg Richtung Reeperbahn wieder, so dass am Ende etwa 800 Menschen gemeinsam den Kiez erreichten. Dort wurde die Demonstration dann nach einer weiteren kurzen Kundgebung vorzeitig aufgelöst, da die Bullen mit ihrem massiven Aufgebot nicht gewillt waren die Demonstration weiter über die angemeldete Route laufen zu lassen. Da Hamburger Nächte bekanntlich lang sind, entwickelten sich jedoch im Anschluss der Demonstration erneut verschiedenste Spontandemonstrationen und Angriffe auf die Bullen als konsequente und richtige Antwort auf deren Angriffe zuvor.
Am darauffolgenden Tag begann um 16 Uhr bei strahlender Sonne am S-Bahnhof Sternschanze das Klassenfest, eine HipHop Open Air gegen Staat und Kapital, mit verschieden lokalen und auswärtigen Künstlern. Insgesamt etwa 1000 Menschen feierten hier ausgelassen zu oftmals kämpferischen Liedern, wobei immer wieder der politische Anspruch der KünstlerInnen und des Konzertes hervorgehoben wurde. Es gab auch eine große Anzahl an Passanten, die immer wieder für kurze Zeit dem Fest beiwohnten. Gegen 23 Uhr endete die Veranstaltung mit einer Rede des Roten Aufbau Hamburg untermalt mit Pyrotechnik, welche eine klare Kampfansage an die Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele war. Nachdem es im Anschluss zu Angriffen auf die umherstreunernde Polizei kam, stürmte diese daraufhin das Gelände und ging mit Pfefferspray gegen alles vor, was keine Uniform anhatte.
Unser besonderer Dank gilt allen lokalen wie angereisten Menschen, die auf der Demonstration ihren kämpferischen Beitrag geleistet haben, sowie Allen die uns bei der Durchführung von Demonstration und Klassenfest unterstützt haben. Für den Kapitalismus darf es weiterhin keine ruhige Minute geben. Nächstes Jahr werden wir noch mehr, noch besser organisiert und noch wütender auf die Straße gehen. Auch in der Zwischenzeit gilt es selbstverständlich sich weiter zu bilden, aktiv zu bleiben und Ausbeutung und Unterdrückung einen gemeinsamen, entschlossenen Widerstand entgegenzusetzen.

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