Der Schienen-Honecker macht alles richtig!

Die Diffamierungskampagne gegen die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nimmt schon heftige Formen an. Der Chef der GDL Claus Weselsky wird dabei zur Zielscheibe. Die Hamburger Morgenpost nennt Weselsky den Schienen-Honecker, er sei so kompromisslos, weil er in der DDR aufwuchs. Die Bild veröffentlicht die Telefonnummer des „Bahnsinnigen“ und fordert seine LeserInnen auch online auf, sich bei Weselsky persönlich zu beschweren. Focus Online veröffentlichte Fotos von dem Privathaus der Familie Weselsky. Dabei fordern die LokführerInnen weder Unmögliches, noch bereiten sie die Revolution vor. Sie wollen lediglich 5% mehr Lohn, welches fast zur Hälfte wieder von der Inflation geschluckt wird. Momentan bekommt man nach 20 Jahren Berufserfahrung etwa 1750 € Netto als LokführerIn. Weitere Forderungen sind eine Arbeitszeitverkürzung auf 37 Stunden sowie verbesserte Arbeitszeit- und Schichtbedingungen, wie die Rückführung der maximalen Fahrzeit auf 8 Stunden und die Beschränkung von Überstunden auf 50 im Jahr. Vor dem Hintergrund, dass die Werktätigen bei der Bahn 13 Millionen Überstunden vor sich herschieben. Es wird auch höchste Zeit, dass sich die Arbeitsbedingungen der LokführerInnen verbessern, vor kurzem hat ein 60 Jähriger Leiharbeitslokführer einer Privatfirma wegen Übermüdung mehrere Signale übersehen und ist in ein ICE gerast.
Mit die wichtigste Forderung der GDL aber ist auch für Zugbegleiter, Rangierer und andere Bahnarbeiter Tarifverträge aushandeln zu dürfen. Dieses Recht steht ihnen gesetzlich auch zu, jedoch sperrt sich der Bahnvorstand vehement dagegen und will diese Berufsgruppen auch weiterhin von der harmlosen EVG Gewerkschaft vertreten lassen. Weiterhin geht es der GDL aber auch darum, das von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vorgeschlagene „Tarifeinheitsgesetz“ zu verhindern. Dies soll angeblich „die Funktionsfähigkeit der Tarifautonomie sichern“, doch konkret sollen bei mehreren Tarifverträgen in einem Betrieb nur noch der jeweilige Vertrag gültig sein der von der mitgliederstärksten Gewerkschaft abgeschlossen wurde. Die kleinen Gewerkschaften dürfen dann noch vom Kapital angehört werden und müssen dem Vertrag dann zustimmen. Dadurch sollen die kleinen schlagkräftigeren Gewerkschaften durch den DGB oder im Falle der Bahn speziell durch die EVG entmachtet und damit mundtot gemacht werden. Dem Kapital ist es lästig, dass einige kleine Berufssparten die Infrastruktur durch vergleichsweise wenig Aufwand lahmlegen können, weil sie in sensiblen Bereichen tätig sind. So können diese Kollegen und Kolleginnen dem Kapital ein wenig mehr vom Mehrwert abschlagen, was die Kapitalisten in Rage bringt.
Das „Tarifeinheitsgesetz“ beschneidet damit erheblich das Streikrecht, darum streikt gerade die GDL auch im Interesse aller Werktätigen in Deutschland, legitimiert von 92% der GDL-MitgliederInnen. Deshalb müssen wir als Revolutionäre der Kampagne gegen die GDL entschlossen entgegentreten und die Lügen des Kapitals entlarven. Alle Menschen, die für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen, genießen unsere Solidarität. In betrieblichen Kämpfen lernen die KollegInnen, dass der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital unversöhnlich ist. Jeder Cent, den wir mehr verdienen, wird dem Kapital entrissen, unsere Niederlagen sind ihre Siege. Kämpfen ist in dieser Situation die einzig richtige Option, denn nur so lernen die Menschen, dass ihre privaten Probleme meistens gar nicht so individuell sind, sondern unsere Klasse oft die gleiche Bürde trägt. Wenn einmal erkannt wurde, dass wir nicht freischwebende Individuen sind, sondern eine Klasse, dann sind wir in unseren Angriffen auch schlagkräftiger im Klassenkampf. Nichts wurde den Werktätigen bisher vom Kapital geschenkt! Uns freut es, dass endlich wieder gekämpft und gestreikt wird. Es wird Zeit Bahnhöfe zu besetzen und diesmal ohne Bahnsteigkarten!