Faschismusdarstellung

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, einer politisch destabilen Lage und der sozialistischen Revolution in Russland, hatte sich der Einflussbereich der herrschenden Klasse und ihr Markt verkleinert und war extrem geschwächt. Man befürchtete weitere soziale Aufstände und Revolutionen, die den kapitalistischen Normalzustand, also Ausbeutung, Entfremdung und Unterdrückung, hätten überwinden wollen und können.
Dieser Normalzustand war also vielerorts gefährdet. Repressionen, Polizeigewalt, Justizwillkür oder auch soziale Reformen halfen nur selten Ruhe innerhalb der Bevölkerung zu schaffen.
Während dieser Zeit entwickelte sich in Italien eine neue politische Strömung, die eine radikale Lösung für das dargestellte Problem der herrschenden Klasse darstellte. Diese politische Strömung, die aus dem Faschismus hervorging, musste einerseits die Unzufriedenheit der Massen mit den bestehenden Zuständen ausdrücken, durfte aber andererseits die kapitalistische Gesellschaftsordnung nicht in Frage stellen und gefährden.
Ihren Anfang hat die Bewegung in Italien und wurde von Benito Mussolini angeführt.
Das Ziel, die kapitalistische Gesellschaftsordnung aufrecht zu erhalten, zeichnet die faschistische Bewegung aus und kann auch erklären, warum sie in kürzester Zeit einen so enormen Zulauf erhalten hat. Auf der einen Seite findet man Elemente der Sündenbockphilosophie, die versucht soziale Ungleichheit mit einem Freund-Feind-Schema zu erklären. Der Feind wird vom innenpolitischen Gegner zu anderen Völkern und
„Rassen“, die für soziale Ungerechtigkeit und schlechte Rutenbündel = Fasces
Verhältnisse verantwortlich gemacht. So wird vor allem versucht die unteren Schichten der Gesellschaft zu gewinnen und eine „Volksgemeinschaft“ zu propagieren, die Klassengegensätze und –kämpfe verschleiern soll.
Auf der anderen Seite war die größte Säule der faschistischen Bewegung jedoch immer der „Mittelstand“, der seine gesellschaftliche Stellung gerade in Krisenzeiten, wie 1929, in Gefahr sah und sich häufig von der faschistischen Ideologie vereinnahmen ließ. Denn gerade kleine und große Unternehmer(n) sehnten sich nach einer starken politischen Kraft, die ihr zusichern konnte, dass ihr Privateigentum und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit nicht gefährdet waren. Denn letztere unterschieden den Selbstständigen vom Lohnabhängigen.
Da dieser Mittelstand an einer Erhaltung ihres Privateigentums an Produktionsmitteln und Reichtum interessiert war, lässt sich darauf schließen, dass der Faschismus keinen konsequenten Antikapitalismus impliziert. Denn wer Privateigentum an Produktionsmitteln auf der einen Seite sichert und auf der Anderen den Klassenkampf, der gesamten Arbeiterklasse, mit einer völkischen Ideologie verschleiert, betreibt nicht nur einen vermeintlichen Antikapitalismus, sondern sogar eine verteidigende Politik zugunsten der herrschenden Klasse.
Durch Hitlers Machtübernahme, die im Jahre 1933 über das bürgerliche Parlament in der Weimarer Republik beschlossen wurde und dem faschistischen Führerprinzip entsprach, entstand eine weitere faschistische Kraft in Europa, die sich als „nationalsozialistisch“ bezeichnete. Für Hitler stellte der „italienische Faschismus“, als ideologisches Ursprungsland, ein Vorbild dar, an dem er sich bis zu seinem Regierungsende und Tod orientierte. Das deutsche Reich bildete zusammen mit Italien und Japan die sogenannten „Achsenmächte“ .Gerade im Nationalsozialismus lässt sich der vermeintliche Antikapitalismus des Faschismus deutlich erkennen und beschreiben. Es wurde zwischen „raffendem Kapital“(Handels- und Finanzkapital) und „schaffendem Kapital“(Agrar- und Gewerbekapital) unterschieden. Dabei wurde das „raffende Kapital“, welches nach Meinung der Nationalsozialisten lediglich zur Verwirklichung egoistischer Ziele diente, der jüdischen Bevölkerung zugesprochen. Das „schaffende Kapital“ hingegen wurde als Volks- und Vaterlandsfreundlich propagiert und mit dem deutschen Volk assoziiert. An dieser Stelle erreicht die erwähnte „Sündenbockphilosophie“ ein extremes rassistisches und antisemitisches Maß. Doch dieser rassistische und vermeintliche Antikapitalismus wurde nicht nur propagiert, sondern nach der Machtergreifung Hitlers auch in die Tat umgesetzt. Auf volksverhetzende Propaganda folgten eine perfektionierte Kapitalakkumulation in den Arbeitslagern durch eine maximale Gewinnschaffung, ein industrieller Massenmord und der Zweite Weltkrieg.

Imperialismus und Militarismus sind in der faschistischen Ideologie durch Gebietsansprüche tief verankert und haben eine massive Kriegswirtschaft zur Folge. So basierten große Teile der italienischen und deutschen Wirtschaft während des Faschismus auf dem Rüstungs- und Kriegsbereich. So lassen sich auch sinkende Arbeitslosenzahlen erklären. Durch Staatsaufträge, die an Rüstungsfirmen wie die Thyssen AG(Heute: Thyssen Krupp) oder Blohm & Voss vergeben wurden und eine enorme Schuldenpolitik verursachten, konnten Arbeitsplätze auf Kosten des Staatshaushaltes geschaffenen und zusätzlich durch staatliche Propaganda beschönigt werden. Diese Arbeitsplätze sollten der Aufrüstung dienen und das Deutsche Reich auf den bevorstehenden Krieg vorbereiten. Die imperialistischen Bestrebungen ließen nicht lange auf sich warten. Da der Faschismus von einer „Volksgemeinschaft“ ausgeht, wurden geographische Gebietsansprüche gestellt, die den Anschluss von „volkszugehörigen Gebieten“ forderten. 1939 überfiel Deutschland, nach vorherigen Annektionen, das polnische Gebiet. Die offizielle Begründung Hitlers war, dass Polen den Krieg begonnen und Deutschland sich nur verteidigt und somit zurück geschlagen hätte. In Wirklichkeit standen natürlich imperialistische und rassistische Ziele im Vordergrund und waren Ursache des Kriegsausbruchs.

Viele an den Faschismus angelehnte Staaten haben sich im letzten Jahrhundert entwickelt und sind an die Macht gekommen. Jedoch sind viele auch wieder zusammengebrochen. Das heißt wiederum nicht, dass es heute keine faschistischen Strukturen und Organisationen mehr gibt, die sich an der genannten Ideologie orientieren. Gerade in Krisenzeiten, wie heute, neigen viele Menschen dazu, sich von derartigen Ideologien vereinnahmen zu lassen und die einfache, verkürzte und rassistische Erklärung von sozialer Ungleichheit zu verinnerlichen. Gerade die Sündenbockphilosophie, die sich an verwurzelten Feindbildern orientiert und das relativieren der vergangenen faschistischen Systeme und Handlungen sind aktueller denn je.
Für alle, die an einer fortschrittlichen und emanzipierten Gesellschaft interessiert sind, muss es nicht nur selbstverständlich sein, gegen diese revisionistischen Strukturen anzukämpfen, sondern auch einen aktiven Widerstand gegen den Kapitalismus und Klassenfeind zu leisten. Denn nur eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus kann die Übel dieser Verhältnisse und die Wurzeln des Faschismus beseitigen!

Kampf dem Faschismus! Kampf dem System!