Archiv für Juni 2010

Rückblick auf die Krisendemonstration in Berlin

In der Kategorie „Infos/Berichte“ findet ihr nun einen zusammenfassenden Bericht unserer Eindrücke der Krisendemo am 12.06. in Berlin.

Lesen

Rückblick auf die Krisendemonstration in Berlin

Frühmorgens machte sich eine Gruppe von ca. 50 Personen aus Hamburg auf den Weg nach Berlin zu einer der beiden zentralen Krisendemonstrationen. Pünktlich erreichte man Berlin und hatte genug Zeit um sich ruhig zum Kundgebungsstart am Alexanderplatz zu begeben. Um 12 Uhr begann dort die Kundgebung, auf der sich langsam mehr und mehr Menschen sammelten, die ersten Reden zu hören waren und die Vorbereitungen für die Demo liefen.
Um 13 Uhr startete die Demonstration, zu der linke Parteien, Gewerkschaften und verschiedenste (im weitesten Sinne „linke“) Gruppierungen von Attac bis Erwerbslosenforen aufgerufen hatten. Innerhalb der Demonstration formierte sich ein antikapitalistischer Block zu dem wir und andere revolutionäre Gruppen im Vorwege mobilisiert haben, um dem sozialpartnerschaftlichen Kurs vieler „linker Kräfte“ eine Absage zu erteilen und zu verdeutlichen, dass nicht das Kapital in der Krise steckt, sondern das ganze System eine einzige Krise ist. Der Block machte erfreulicherweise einen erstaunlich großen und akustisch wahrnehmbaren Teil der Demonstration aus, zu der insgesamt 20.000 Menschen nach Berlin kamen. In Stuttgart waren es nochmal 25.000 Menschen. Ebenfalls erfreulich und gegen viele Erwartungen konnte man dann doch auch im Rest des Demonstrationszuges viele fortschrittliche und offensive Forderungen und Parolen bestaunen. Viele „Bürgerliche“ und auch ältere Menschen solidarisierten sich mit unserem Block und seinen politischen Inhalten.
Der Antikapitalistische Block glänzte mit einem schönen Fronttransparent und ebenfalls ansehnlichen Seitentransparenten, die zu Demobeginn aneinandergebunden wurden, um eine gefestigte Blockstruktur zu bilden und willkürliche Festnahmen zu verhindern, die besonders in Berlin schon eine Art Polizeisport sind. Genau dieses Vorgehen nahm die Polizei als Grund, um wenige Meter nach Demobeginn ein Spalier um den Block zu bilden. „Das Aneinanderbinden von Transparenten verhindert die eventuelle Notwendigkeit von Festnahmen“. Mal davon abgesehen, dass es keinen Grund für Festnahmen gab und es somit mal wieder ein Zeichen von Kriminalisierung und Provokation seitens der Polizei war, ändert auch ein Spalier nichts an der Tatsache von verknoteten Transparenten. Das Spalier machte nun die gesamte Aussage des Blocks kaputt, überflüssig und kriminalisierte ihn. Die Aussagen der Transparente konnten nicht mehr gelesen werden, Flyer konnten kaum mehr an Außenstehende verteilt werden und die Polizei sah sich immer wieder genötigt zu provozieren. So kam es immer wieder zu kleinen Rangeleien zwischen den äußeren DemoteilnehmerInnen und der Polizei, da man sich durch Straßenverengungen um den nötigen Platz stritt. Diese Rangeleien nahm die Polizei dann zum Anlass um die linke Seite des Blocks willkürlich und ohne Vorwarnung anzugreifen, nachdem eine ältere Dame, die sich schützend vor die Demonstranten stellte von Polizisten bedrängt und bepöbelt wurde, sowie ein Ordner festgehalten wurde. Polizisten schlugen mehrere Minuten(einige mit Quarzsandhandschuhen) auf Kopfhöhe auf DemonstrationsteilnehmerInnen ein, enteigneten diesen ihre Fahnenstöcke um mit diesen ebenfalls zuzuschlagen, klauten Transparente und nahmen TeilnehmerInnen fest. Dass Flaschen und Steine geworfen wurden, wie im Nachhinein von der Polizei behauptet, ist eine klare Lüge und wäre aus dieser engen Menge heraus überhaupt nicht möglich gewesen. Feuerwerkskörper flogen ebenfalls nicht auf Menschen. Viele Menschen im Block und rundherum waren schockiert und wütend über diese unsinnige Prügelorgie auf völlig friedliche Demonstranten. Einige weinten, andere wehrten sich. Es kam im Verlauf zu Böllerwürfen und weiteren willkürlichen Festnahmen von Seiten der Polizei. Der Block wurde somit völlig zersprengt, seine politische Aussage kriminalisiert und zerstört. So zog er dann bis zur Schlusskundgebung am Alexanderplatz, an dem wiederum Polizeieinheiten warteten, Menschengruppen einkesselten und kriminalisierten. Diese Einheiten konnten jedoch durch ein entschlossenes Vorgehen erfolgreich vom Kundgebungsort vertrieben werden, nachdem die Stimmung immer weiter gegen die Polizei umschlug. Dabei war vor allem von Leuten, die sich vorher nicht in dem Block befanden, ein entschlossenes Vorgehen zu verzeichnen.

Fazit:
Erfreuliche TeilnehmerInnenzahl am antikapitalistischen Block dessen Aussenwirkung durch willkürlich brutale Angriffe Seitens des „Freund und Helfers“ zerstört wurde. Diese Willkür und die vielen dadurch verletzten DemoteilnehmerInnen wurden durch die mediale Hetze im Zusammenhang mit einer angeblichen Splitterbombe leider gänzlich überschattet.
Hoffen wir auf weitere offensive Reaktion auf die Sparmaßnahme der Bundesregierung und dem Kapitalismus als Gesamtzustand. Lasst es einen „heißen Herbst“ werden.

Don´t let the system get you down!

P.S: Solidarische Grüße an alle GenossInnen und an den Fischerhut.

Männer Fussball WM 2010

Anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft der Männer gibt es wieder zahllose hässliche Utensilien in schwarz-rot-gold. Von A wie Autofahne bis Z wie ‚Zigeuner’witze, muss man sich in dieser Zeit leider besonders viel Scheiße gefallen lassen. Wir werden zu diesem nationalistischen Spektakel, das nebenbei bemerkt von der Bundesregierung wunderbar abgepasst wurde, um der Verkündung der überdreisten „Sparmaßnahmen“ möglichst wenig Widerstand folgen zu lassen, bald einen Text veröffentlichen.

Doch schon jetzt einmal möchten wir dazu anhalten sich möglichst vieler Deutschland-Utensilien zu bemächtigen, die nach der Weltmeisterschaft bei der Roten Szene Hamburg, gegen Abwrackprämien eingetauscht werden können. Was es zu gewinnen gibt, bleibt offen wie das Finalspiel der Weltmeisterschaft. Übrigens: In der B5 gibt es die Möglichkeit fernab schwarz-rot-goldenem Fahnentaumels die Fussballspiele gemeinsam aus Interesse am Sport zu gucken.

Film: „Weder Huren noch Sklavinnen“

Ende Mai präsentierten wir unser neues Konzept für das RSH-Dienstagscafe. Wir versuchen jetzt vor allem das Cafe attraktiver und abwechslungsreicher zu gestalten sowie durch Vorträge und Filmvorstellungen verschiedene politische Themen in den Fokus zu rücken. Wie ihr an dem Vortrag und Film zu Südafrika diesen Monat erkennen könnt, versuchen wir dabei aktuelle Themen aufzugreifen. Am 1.6.10 zeigten wir im Rahmen unseres Cafes eine Dokumentation zu Frauen in den französischen Banlieues. Wir haben uns dazu entschieden, da es ein paar Wochen vorher den Film „La Haine“ bei uns zu sehen gab. Dieser Film zeigt einen Tag im Leben von drei jungen Männern. Ein besonderer Tag, der für immer ihr Leben verändern wird, jedoch dabei trotz der „besonderen“ Ereignisse sehr authentisch und alltäglich stellvertretend für das Schicksal einer ganzen Gesellschaftsschicht steht. In „La Haine“ wird Empathie für die von Staat und bürgerlicher Gesellschaft alleine gelassenen und abgekoppelten Menschen geweckt, die in einer hoffnungslosen Situation leben. Doch dabei besteht auch die Gefahr, dass ein unvollständiges Bild, das vor allem auf die jungen männlichen Erwachsenen fixiert ist, gezeichnet wird. So haben wir uns entschieden die Dokumentation „Weder Huren noch Sklavinnen“ zu zeigen, die sich mit der Situation von Frauen in den Banlieues, die Opfer männlicher Gewalt wurden, auseinandersetzt. Es kommen Frauen zu Wort, die gescheiterten Jungmännern und patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen ausgesetzt sind, sich dabei aber nicht unterkriegen lassen wollen.

Hier könnt ihr euch den Film nun selbst anschauen. Aber Achtung, dieser schonungslose Film sollte am besten mit FreundInnen zusammen geschaut werden, mit denen man sich anschließend unterhalten kann, um das Gezeigte zu verarbeiten.

Youtube:
Teil 1:

Teil 2:

Teil 3: