Buchholz, mehr als eine Kundgebung!

Am 3. April möchte die NPD eine Kundgebung in Buchholz abhalten. Buchholz liegt ein wenig südlich von Hamburg, 13km nordöstlich von Tostedt.

Einen Aufruf und Informationen findet man hier www.nazis-aufhalten.de
Weitere Infos unsererseits über die Anreise und weiteres werden folgen.

RSH unterstützt das Anliegen gegen die Kundgebung der Nazis zu protestieren; folgend ein Text, der auf Informationen eines Mitglieds unserer Gruppe basiert, das mit Jugendlichen und anderen Menschen der Gegend in Kontakt steht.

Die Kundgebung steht unter dem Motto „Kriminelle Ausländer ausweisen“; unser Erscheinen sollte in dem Motto „Nazis in ihre Schranken weisen“ stehen, offensiv ausgerichtet sein und auf keinen Fall bürgerliche Kompromisse eingehen.

Speziell in der Gegend, die im Einzugsbereich von Harburg liegt, erfahren Nazis eine Akzeptanz innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft und Fremdenfeindlichkeit hat Konjunktur. So werden immer wieder MigrantInnen und alternative Jugendliche auf Dorffesten, in Diskos und nachts auf der Straße verprügelt oder bedroht und bedrängt. Dabei passieren die Übergriffe aus einem Umfeld von Neonazikadern vor allem aus Tostedt, die dann ein Pack von Mitläufern ohne gefestigte rechtsradikale Gesinnung um sich scharen. So kommt es, dass auf Dorffesten Mitläufer im Schutze ihrer Nazi-Gruppe auf Jugendliche aus ihrer Parallelklasse einprügeln oder gar versucht wird mit Baseballschlägern den Opfern gegen den Kopf zu schlagen; während nachts auf offener Straße Migranten ins Krankenhaus geprügelt werden. Diese Taten von Neonazis und ihren Mitläufern werden von einem großen Teil der bürgerlichen Gesellschaft ignoriert und den Tätern durch Gleichgültigkeit Rückendeckung gewehrt. Auch gibt es Berichte von Polizeibeamten, die selbst überzeugte Neonazis sind, oder Beamten, die bei faschistischen Gewalttaten auf Dorffesten zu/wegschauen, sofern sie denn überhaupt vor Ort sind. Außerhalb von speziellen Anlässen, zu denen präventiv Beamte geordert werden, haben die Polizeiwachen in den dörflichen Gegend nachts geschlossen, sodass auf einen Notruf folgend erst nach 20min aus benachbarten Gegenden Beamte am Ort des Geschehens erscheinen können. Dass aber konkret Menschenleben gefährdet sind, zeigt der Fall von Herrn Silar.
Er ist der Anführer von Neonazigruppen aus Tostedt. Silar saß mehrere Jahre im Knast, nachdem er 1992 im Alter von 19Jahren zusammen mit einem anderen Nazi eine Person totprügelte, die sich abfällig über Adolf Hitler äußerte. Heute betreibt Silar den Naziladen Streetwear Tostedt und ist eine wichtige Person der faschistischen Strukturen. Der Laden ist der „größte“ Norddeutschlands und vertreibt nicht nur Naziutensilien, sondern ist den Nazis auch bei speziellen Aktionen hilfreich und ermöglicht den FaschistInnen Kontakte untereinander.

Das Beschriebene steht im Kontext von rassistischen Verhaltens- und Denkweisen in den Kreisen der gesellschaftlichen „Mitte“, die besonders in Landkreisen wie Harburg (de.wikipedia.org/wiki/Landkreis_Harburg) sich offen bemerkbar machen. So werden zum Beispiel Migrantinnen in Supermärkten sehr häufig gebeten ihre Handtaschen auszuleeren, während sie beim gesamten Einkauf von MitarbeiterInnen beobachtet werden. Ebenso wie Eltern, die ihren Kindern verbieten mit den Kindern von MigrantInnen zu spielen oder in Kontakt zu treten. Rechte Propaganda trifft bei der dörflichen Bevölkerung in dieser strukturschwachen Region auf fruchtbaren Boden, sodass MigrantInnen, die es schaffen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft erfolgreich zu sein, erfolgreicher als der große Teil der Bevölkerung [in dieser Gegend], besonders argwöhnisch beäugt und geächtet werden. Eine Integration in die dörfliche Gesellschaft bleibt vielen jedoch verwehrt, was sich fatal auf ihre wirtschaftlichen Chancen auswirkt, denn es ist besonders in dörflichen Strukturen wirtschaftlicher Erfolg an Kontakte und Bekanntschaften geknüpft, die in etwa zwischen Bürgermeister und Schützenverein verlaufen, Milieus in denen Entscheidungen eher an Bauernweisheiten, Misstrauen und konservativen Auffassungen statt rationalen Gedankengängen manifestieren.

Insgesamt machen viele Jugendliche in den dörflichen Regionen [um Buxtehude, Tostedt und Buchholz] einen resignierenden Eindruck, da das dörfliche Leben oftmals keine Abwechslung bietet und die beruflichen Perspektiven sehr zu wünschen übrig lassen, während zusätzlich Rechtsradikalismus und Rassismus eine weitere Schikane darstellen und ein (kompletter) Anschluss an die Dorfgesellschaft nicht stattfindet. Bedingt dadurch bleibt für viele ein Ausweg nur in temporärer Betäubung der eigenen Situation durch Alkoholkonsum und lange Samstagnächte.

Leider muss auch gesagt sein, dass vor Ort keine starken linken Strukturen existieren und antifaschistische Arbeit viel zu wenig stattfindet, was jedoch nicht den GenossInnen vor Ort anzulasten ist, sondern durch die dörflichen Strukturen und das Versagen des Staates bedingt ist.

Wenn wir also in Buchholz erscheinen, dann nicht nur, um gegen rechtsradikale Hetze vorzugehen oder Leute wie Stefan Silar zu thematisieren, sondern auch um die Jugendlichen vor Ort nicht alleine zu lassen. Mit einer Demonstration und Protesten ist es uns leider nur sehr marginal möglich den vorherrschenden Problemen etwas und vor allem dauerhaft entgegen zu setzen. So sollten Angereiste sich bei den GenossInnen vor Ort erkundigen und versuchen Kontakte zu knüpfen sowie Hilfe anbieten, um linke Politik vor Ort zu unterstützen. So kann und muss versucht werden von linker Perspektive auf die Jugendlichen vor Ort zuzugehen und weitere Auswüchse von Rassismus so weit wie möglich einzudämmen. Schon jetzt fühlen sich die Nazis in Buchholz und sonst wo wohl, das darf nicht sein!