RSH zum 8. März

Anmerkungen des Autors

Dieser Text zu den Frauen im Nationalsozialismus wird erstmals zum internationalen Frauenkampftag am 8. März 2010 veröffentlicht. Er wurde zum größten Teil von einem Autor nach Rücksprache mit GenossInnen verfasst und basiert im wesentlichen auf Informationen aus dem Sammelwerk mehrerer Autorinnen „Frauen unterm Hakenkreuz“ (Elefanten Press 1984 Westberlin) sowie Gesprächen mit drei Zeitzeuginnen.

Der Text wird von der Roten Szene Hamburg (RSH) herausgegeben und darf zu nicht-kommerziellen Zwecken unter Quellenangabe verbreitet und verwendet werden.

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RSH zum 8. März

Der 8. März ist der internationale Frauentag des politischen Kampfes für Gleichberechtigung, Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Er ist heute nötig und wichtig wie vor 100 Jahren. Zwar hat sich die Gesellschaft verändert, die Frauen konnten sich emanzipieren und Teilerfolge erkämpfen, trotzdem sehen wir in Deutschland und anderen bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften weltweit weiterhin schlechtere Arbeits- und Lebensbedingungen für Frauen sowie das Existieren von starken Rollenbildern. Es geht um internationale Solidarität, politischen Kampf und das Aufmerksam machen auf die bestehende Notwendigkeit einer starken Frauenbewegung und die real existierenden Probleme. In weiten Teilen der Gesellschaft wird diese notwendige Bewegung als überholt, veraltet und überflüssig dargestellt. Dadurch kommt es nicht nur zu Rückschritten im aktuellen politischen Geschehen und gesellschaftlichen Strukturen, sondern auch wieder vermehrt zu Möglichkeiten die (ehemalige) Bewegung und den Widerstand runter zu spielen und als „Emanzenpolitik“ zu diffamieren.

Am stärksten haben sich Rollenbilder und Unterdrückungsmechanismen gegenüber Frauen im Faschismus/Nationalsozialismus gezeigt. Darauf werden wir im folgenden Text weiter eingehen. Wichtig ist festzustellen, dass auch die heutigen, sich modern gebenden Nazis, keinen Fortschritt und die „Emanzipation der deutschen Frau“ fordern, sondern genau wie ihre Vorfahren für schlimmste Barbarei und Unterdrückung stehen.

Wir hoffen mit unserem Text über der Gesellschaft, aus der die BRD hervorging, einen Beitrag zum internationalen Frauenkampf leisten zu können.

Frauen wehrt euch!
Internationale Solidarität statt Volksgemeinschaft!
Für die Emanzipation!
Für den Kommunismus!

Text als PDF-Datei zum Download: RSH zu Frauen im Nationalozialismus

Dieser Text ist all den Frauen gewidmet, die sich nicht haben unterkriegen lassen, die täglich mit den Widrigkeiten des Lebens zu kämpfen haben. Die, die in beschissenen Verhältnissen, in Unterdrückung leben. Die, die kämpfen, gekämpft haben und kämpfen werden – im Kleinen, im Alltäglichen oder im ganz Großen. Aber auch denen, die nicht mehr konnten, die von den Verhältnissen erdrückt wurden, die alleine gelassen wurden. Ob Rosa Luxemburg oder die unbekannte sudanesische Mutter. Sie alle trugen und tragen unbegreifliche Lasten. Doch ihre Kraft zu kämpfen und zu leben sind uns allen eine Inspiration.

Für die Frauen.

Frauen im Nationalsozialismus

Einleitung

Renate Feldmann: „Ich würde sagen, dass Volksgemeinschaft eigentlich der Schlüsselbegriff für alles ist.“ Was bei einer Analyse des Frauenbildes in der rechten Szene heut zu Tage gilt, galt umso mehr damals.

Das Frauenbild im Nationalsozialismus wurde tief durch die Ideologie der Volksgemeinschaft geprägt. Der Frau wurde eine feste Rolle zugewiesen wie eigentlich jedem Teil dieser Gesellschaft. Die („arische“) Frau wurde einzig auf ihre Mutterrolle beschränkt und sollte für Nachwuchs sorgen, als Objekt des Mannes dienen und die Hausarbeit erledigen, während dieser arbeitete und später im Krieg der Heldenrolle nachkommen sollte. In der Gesellschaft herrschte eine strikte Trennung von Frauen und Männern. Die Abartigkeit und Auswüchse der Frauenunterdrückung im dritten Reich sind für Nachgeborene, vor allem Männer, nur schwierig nachzuempfinden.

Warum wählten Frauen die Nazis?

Frauen konnten in der Weimarer Republik durch Lohnarbeit kaum leben, die Beschäftigungsverhältnisse waren unsicher und sie waren starker Diskriminierung ausgesetzt. So blieb ihnen oftmals nur der Rückzug in die Familie als letzte „sichere Bastion“, während der Mann arbeitete, wenn es einen gab. Sie wurden auf Kinder, Küche, Kirche reduziert, sodass Emanzipation eher als eine Bedrohung empfunden wurde, die ihren „schützenden“ Mikrokosmos zerbersten lassen würden. Diese Umstände und Einstellungen wurden von konservativen Parteien und politischen Kräften bedient und ausgenutzt. Allein erziehende Mütter, von denen es nach dem Krieg etliche gab, mussten besonders hart arbeiten um ihre Familie zu versorgen und waren viel schlechteren Arbeitsbedingungen als ihren männlichen Kollegen ausgesetzt, sofern man ihnen denn Arbeit geben wollte. Oftmals handelte es sich um Arbeit im „informellen Sektor“, die sich im näheren Umkreis ergab. So gab es Hausfrauenjobs, Hilfsarbeiten, Näharbeiten usw. und nicht selten die Prostitution als einzige Möglichkeit ein wenig Geld zu verdienen.

Diese Situation war für die Frauen natürlich nicht zufrieden stellend, sodass viele sich in Gewerkschaften oder der SPD und KPD engagierten, um Verbesserungen zu erkämpfen. Vielen aber auch schien konservative Propaganda schmackhaft, die ein klassisches Familienbild vom arbeitenden Mann propagierte, während die Frau die Kinder groß zieht und Hausarbeiten erledigt. In der Gesellschaft der Weimarer Republik schien es vor allem Frauen in bürgerlichen Kreisen abwegig einen „richtigen“ Job anzunehmen; sie waren schon seit der Kaiserzeit an ihre klassische Rolle gewöhnt und nicht wenigen von ihnen wurde durch rechte Propaganda geschmeichelt, die Frauen als „Mütter“ würdigten und ihnen eine „ehrenvolle“ Rolle als „Mutter der Nation“ zusprach. Schlechter situierte Frauen könnten Gefallen an dem Gedanken gefunden haben, dass sie nicht auch zusätzlich zu ihrem Mann einer Lohnarbeit nachgehen müssten, sondern lediglich die Hausarbeit zu tätigen hätten, die sie sowieso schon zu erledigen hatten. Die verschiedensten rechten Parteien servierten einer konservativ-patriarchalen Gesellschaft große Versprechungen von Familienhilfe und Idealbilder der bürgerlichen Familie, in der die Frau eine ehrenvolle Aufgabe hätte (und zwar den Nachwuchs zu sichern).

„Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein“ (Adolf Hitler „Mein Kampf“ S. 459)
Solche Aussagen dürften vor allem jüngere Frauen in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, Inflation und Arbeitslosigkeit dazu gebracht haben sich bei der Reduzierung auf die Familie in einer vermeintlichen Sicherheit zu sehen.

Letzten Endes darf aber nicht vergessen werden, dass Frauen absolut und relativ gesehen seltener als Männer die NSDAP wählten.

Frauenschulen

Bis 1937 wurde nur scheibchenweise eine Änderung der Lehrpläne für Mädchen durch die Nazis verfügt, da sie nicht über Nacht die Errungenschaften der Weimarer Republik (gegenüber dem Kaiserreich) abschießen konnten. In den nächsten drei Jahren jedoch wurde die Schule umgestaltet, sodass Hausfrausein und Naziideologie das Ziel waren. Es wurde fächerübergreifend, ineinander verschachtelt die Naziideologie vermittelt und begründet.
So wurden im Deutschunterricht der „heldische Mensch“, Nibelungensagen und Gedichte von „Mut und Opferbereitschaft deutscher Frauen“ zum Thema, während man im Musikunterricht Nazilieder sang und unter Biologie „Rassen-Vererbungslehre“, Säuglingspflege und „Volkshygiene“ behandelte. Der Geschichtsunterricht hatte maßgeblich „heldenhafte“ deutsche Männer zum Inhalt sowie das Auswendiglernen von Jahreszahlen, während in Mathematik hauswirtschaftliche und alltägliche Aufgaben unter gänzlichem Weglassen der höheren Mathematik Thema waren. Besonders wichtig war den Nazis der Sportunterricht, der zur sog. „Volksgesundheit“ beitragen sollte, als auch hauswirtschaftliche Fächer (vor allem in den Mittelschulen), in denen z.B. gelehrt wurde mit deutschen Produkten umzugehen, um eine Autarkie zu befördern. In der Schule und anderen Erziehungs-„Bildungs“stätten sollte den Mädchen ein Bewusstsein vermittelt werden sie seien die Trägerinnen und Vermittlerinnen des deutschen Lebensgefühls und der deutschen Kultur, dessen Pflegestätte das eigene Heim sei.

Einer Vorschrift nach sollten nur 10% aller Studierenden Frauen sein, was jedoch nicht eingehalten wurde, da es insgesamt zu wenig Studierende gab. Vor allem gab es wegen dem Bedarf an Soldaten zu wenige Männer für ein Studium, sodass 1944 sogar 49,5% aller Studierenden weiblich waren.

BDM – Bund Deutscher Mädchen und die „Arbeitsmaiden“

Den weiblichen Teil der HJ – „Hitlerjugend“ stellte die JM – „Jungmädel in der HJ“ (von 10 bis 14 Jahren) sowie der BDM – „Bund Deutscher Mädchen in der HJ“ (von 14 bis 21 Jahren) dar. Diese Organisationen wurden, ähnlich wie im Militär, in hierarchische Gruppen zusammengefasst, denen immer eine entsprechende Führerin vorstand. Der BDM selbst war den männlichen Führern der NSDAP bzw. HJ untergestellt.

Die Aufnahmekriterien in den BDM orientierten sich an Gesundheit, Leistungsfähigkeit sowie der „rassischen Abstammung“ der Mädchen. Ab 1. Dezember 1936 mussten alle Jugendlichen zwangsweise der Hitlerjugend, also die Mädchen dem JM und dem BDM beitreten, sofern sie nicht aus „rassischen Gründen“ ausgeschlossen wurden. Die Mitglieder der Hitlerjugend wurden jahrgangsweise am 20. April auf die Hitlerjugend, bzw. vielmehr Hitler selbst mit dem Spruch „Ich verspreche, in der Hitler-Jugend allzeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und zu unserer Fahne“ vereidigt. Dieser Eid, die Uniformen, die militärische Organisationsform, Rituale und Proben sollten eine Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder hervorrufen und ihnen Wichtigkeit suggerieren; dass sie wer wären und Aufgaben zu erledigen hätten.

Der Sport der Mädchen in der Hitlerjugend war nicht soldatisch, sondern darauf ausgelegt aushalten und arbeiten zu können, gesunde Kinder zu gebären und schön zu sein. Man beugte einer Verweichlichung vor und stellte die Mädchen für ihr Leben auf Entbehrungen ein. Die Paraden, Feste und Übungen im BDM stärkten Gehorsam, das Akzeptieren hierarchischer Strukturen und lehrten sich nach Befehl in Reihe und Glied zu bewegen.

„Die Mädel, die in den BDM eintreten, wissen, dass sie damit sich selbst und ihren ganzen Menschen hergeben. Das „Ich“ muss ausgemerzt werden, damit man um so dienstbereiter in der Gemeinschaft stehen kann“ Nach dem Motto „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, wurde das Ich zurückgestellt und die Gemeinschaft Fixpunkt.“ (Trude Bürkner, BDM-Pressereferentin; leider keine genauere Quellenangabe bekannt.)

„Die Abgelöstheit vom Ich und die gleichzeitige Identifikation mit dem Übergeordneten (dem Volk und der Volksgemeinschaft) bewirkten eine innere Gestimmtheit, die mich während des ganzen Kriegs beschütze hat wie ein Palladium. Nicht etwa vor den äußeren Gefahren vor den Bomben, den polnischen Partisanen und später den russischen Scharfschützen, sondern vor der größten der seelischen Gefahr: der Angst“ (Melita Maschmann, eine führende BDM-Pressereferentin.)

Dadurch, dass gelehrt wurde, dass lediglich die Volksgemeinschaft, nicht jedoch die Individualität einer Person etwas bedeuten würde, sprach man den Menschen ihre individuelle Verantwortung ab, was durchaus auch erklären kann, warum diese Menschen später grausamsten Befehlen folgten.

Die Pubertät der Jugendlichen wurde von den Nazis ausgenutzt und vor allem den Mädchen ihre Funktion als Mutter angeschwatzt, während sie sich in einer Zeit persönlicher Sensibilität und Entwicklung befanden. Man gab den Mädchen also mit einer fest vorgeschriebenen Aufgabe und Erzählungen von einer erfüllten Ehe Halt in einer Zeit psychologischen Hin- und Hers.

Wichtig war der Heimabend (eher Nachmittag), der jeden Mittwoch stattfand und die Mädchen und Frauen der HJ-Organisationen in schöner und stimmungsvoller Atmosphäre zusammen setzte. Zu Beginn eines solchen abends wurde eine kurze politische Wochenschau gehalten und andere Nazithemen präsentiert. Viel wichtiger waren jedoch Angelegenheiten von kulturellem Belang und hauswirtschaftliche Arbeiten. So lernte man deutsche Tänze und Lieder oder bastelte. Diese Heimatabende waren wichtig, da so die Mädchen aneinander und zur nationalsozialistischen Bewegung gebunden wurden. Auch Außenseiterinnen fanden Anschluss. Der Heimatabend fand wären der Kriegsjahre nicht mehr immer regelmäßig statt.

„Kunst“ im Nationalsozialismus

Warum steht das Wort Kunst in der Überschrift in Anführungszeichen? Bilder malen ist nicht gleich Kunst. Kunst muss immer frei sein, doch das war sie in der Nazizeit überhaupt nicht. Sie orientierte sich lediglich an Vorgaben des Regimes und war meist dazu gedacht das nationalsozialistische, völkische (Welt)bild weiterzutragen. Der Rassismus, Antisemitismus, die Frauenfeindlichkeit und all der ganze Scheiß wurden nicht nur auf pseudowissenschaftlicher Ebene, die vor allem bis Anfang der 40er Jahre massiv in der Öffentlichkeit propagandistisch eingesetzt wurde, sondern auch in „Kunst“ und „Kultur“ weitergetragen, um möglichst jeden Lebensbereich zu erschließen. Vor allem die Menschen, die kein großes Interesse in Wissenschaft hatten und sich vielmehr wie die Leute auf dem Land durch alte Bauernweisheiten und Traditionen leiten ließen, waren damit gut zu erreichen. Ebenso wie die bürgerliche Schicht, die sich als avantgardistische Kenner und Schätzer von „guter Kunst“ verstehen bzw. verstanden, mit dieser Einschätzung jedoch mehr sich selbst betrügen als anderen etwas vormachen zu können.

Goebbels Propagandaministerium verordnete ab 1937 eine „Große Deutsche Kunstausstellung“, die einmal jährlich stattfinden sollte und Werke von Nazi„künstlern“ veröffentlichte, die sich an Parteivorgaben zu halten hatten. Künstlerisch wurde auf längst vergangene Epochen zurückgegriffen und die Bilder waren eine einzige Schönfärberei im Sinne der Naziideologie. Diese Nazimalerei war durchsetzt von unglaublich vielen Bildern nackter deutscher Frauen. 10% aller Bilder der jährlichen Ausstellung der sog. „Großen Deutschen Kunst“ waren Aktbilder. Vornehmlich wurden nackte Frauen gemalt, die Vitalität und Gesundheit widerspiegeln sollten, was im Sinne der Naziideologie von Rassenreinheit und Geburtensteigerung stand. Ganz klar wird deutlich mit welch sexistischer Absicht bzw. nach welch sexistischem Weltbild gezeichnet wurde, da die gemalten Frauen meist in Naturumgebung sich befinden und eine sexuelle Bereitschaft dem Mann gegenüber darstellen. Sie sind in einer Erwartungshaltung gezeichnet als würden sie dort in aller Freiwilligkeit nur auf den männlichen Betrachter des Bildes warten, um mit ihm Sex zu haben und somit arischen Nachwuchs zu zeugen. Die Frauen haben pralle Brüste, sehr breite Becken, straffe Bauchmuskeln und entsprechen auch sonst vollkommen dem Bild von rassistischer Nazibiologie. Gerne wurden auch Bilder von Müttern mit Säuglingen gezeichnet, an denen auffällig ist, dass die Mütter als reife Frauen gemalt wurden, die Glücklichkeit und Warmherzigkeit ausstrahlen sowie das Motiv oftmals ländlicher Umgebung ist. An den Rändern der Bilder lassen sich dann Ähren (Getreide,…) ausmachen, die wohl nur darauf warten geerntet zu werden und somit in direktem Kontext zu Mutterschaft, Ernte und Reife stehen. Es ist also von einer „Mutter Erde“ die Rede. Aber seit wann erntet man Menschen wie auf einem Getreidefeld?
Die Bilder werden oftmals in einen mythischen Kontext gehoben, um das Germanentum ins Spiel zu bringen.

Folgend wird aus der Analyse Gabriele Huster’s zitiert, die sich (hier) mit dem Bild „Das Parisurteil“ von Ivo Saliger auseinandersetzt und sehr deutlich macht wie sehr die Frauen entsexualisiert wurden um dem Gefüge der Volksgemeinschaft zuzugehören und dem Mann untergeordnet zu sein, der über sie verfügt.

„Über die „veränderte sozialpsychologische Konstellation zwischen den Geschlechtern“ (Berthold Hinz in „Die Malerei im deutschen Faschismus, München 1974) gibt ein Gemälde von Ivo Salinger, „Das Parisurteil“, den Aufschluß. Im 19. Jahrhundert bleibt bei Darstellungen des gleichen Themas bei aller oberflächlichen Effekthascherei der erotischen Salonmalerei, bei aller erstarrten Idealität des Klassizismus (etwa bei A. Feuerbach) doch eine relative sinnliche Ausstrahlung gewahrt. In Salingers Version ist sie verschwunden und mit ihr jeglicher ideeller Gehalt. Schlagartig enthüllt sich der Charakter des Geschlechterverhältnisses faschistischer Prägung: hier fällt nicht der sterbliche Grieche Paris ein Urteil über drei Göttinnen; hier nimmt ein kurzbehoster „Arier“ mit dem Blick eines „Viehschätzers“ (Hinz) eine „Fleischbeschau“ unter drei stumpf und willenlos sich anbietenden „ideal-schönen“ Nackten vor. Die Frauen warten darauf, genommen zu werden. Sie sind zum Konsumartikel des Mannes abgesunken, seiner Willkür, seinem Zugriff preisgegeben. Ihre Darstellung tut den Forderungen nach Rasse, Gebärfähigkeit und Unterwürfigkeit (schicksalsergebener Gesichtsausdruck) Genüge.

Das Frappierende an dem Bild ist, dass die beabsichtigte Thematisierung von Sexualität zum Gegenteil gerät: Einwilligend in die ihnen vom Faschismus diktierte Rolle sind die Frauen jeglicher sinnlicher Macht beraubt – es sind sterile Geschöpfe. Das Gemälde wirkt in seiner Gewaltsamkeit prüde. Wie muss es um die sexuelle Phantasie bestellt sein, die sich an solchen Darstellungen entzündet! Die dem faschistischen Mann zumutbare Frau ist entsexualisiert, muss es sein. (vgl. Klaut Theweleit, Männerphatansien: „Psychoanalyse des weißen Terrors“)“
(Gabriele Huster „Das Bild der Frau in der Malerei des deutschen Faschismus“, S. 72 „Frauen unterm Hakenkreuz“)

Mutterkult im Dritten Reich

„Adolf Hitler hat […] mich zum verantwortlichen Leiter der gesamten Frauenarbeit des deutschen Volkes und zum Führer der Nationalsozialistischen Frauenschaft […] berufen, […] weil Adolf Hitler dies für notwendig erachtete.“ Die Rede endet mit „Deutsche Frauen, deutsche Treue, dem Führer Siegheil“ (Gottfried Krummacher, Führer der NS-Frauenschaft und des von ihm gegründeten Reichsfrauenwerks, am Tag der Frauen 1933)

Was DIE PARTEI mit „Wir brauchen eine Kinder- und Jugendbewegung, weil wir eine Kinder- und Jugendbewegung brauchen“ heute satirisch von sich gibt, war zur Zeit des Nationalsozialismus todernst gemeint. Es wird also die Begründung (auch) für Angelegenheiten in Frauensachen der „Wille des Führers“, was natürlich mit Logik, wie all der ganze Riesenscheiß der Nazis, überhaupt nichts mehr zu tun hat.
Folgendes Zitat soll das Menschenbild der Nazis verdeutlichen. (Auch) Frauen sind nun keine Individuen mehr, sondern eine homogene Masse mit speziellen Eigenschaften und Charakteristika.

„Es wird Ihnen nicht unbekannt sein, dass die nationalsozialistische Bewegung als einzige Partei die Frau aus der Tagespolitik fernhält. […] Nicht weil wir die Frau nicht achten, sondern weil wir sie zu hoch achten, haben wir sie aus dem parlamentarisch-demokratischen Ränkespiel ferngehalten. […] Aber es darf dabei nicht ungesagt bleiben, dass Dinge, die dem Mann gehören, dem Mann auch verbleiben müssen. […] Das ist kein absprechendes Urteil über die Frau, sondern nur ein Verweisen ihrer Fähigkeiten und Anlagen an die Gebiete, die ihrem Wesen am ehesten entsprechen. […] Den ersten, besten und ihr gemäßesten Platz hat die Frau in der Familie und die wunderbarste Aufgabe, die sie erfüllen kann, ist die, ihrem Land und Volk Kinder zu schenken“ (Joseph Goebbels im März 1933 anlässlich der Ausstellung „Die Frau“ in Berlin)
(An einige deutsche Idioten: Das hat nichts mit Marx’ Ausspruch aus der Kritik am Gothaer Programm „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“ zu tun, sondern verkehrt diesen ins genaue Gegenteil)

„Wenn früher die liberalen intellektualistischen Frauenbewegungen in ihren Programmen viele, viele Punkte enthielten, die ihren Ausgang vom Geiste nahmen, dann enthält das Programm unserer nationalsozialistischen Frauenbewegung eigentlich nur einen einzigen Punkt, und dieser Punkt heißt das Kind […] Jedes Kind, das sie (die Frau) zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für Sein oder Nichtsein ihres Volkes“ (Der spätere Reichsbauernführer Richard Walther Darré, zitiert nach „Faschismus“, Berlin 1976, S. 95)
Es hebt sich also in aller Deutlichkeit hervor, dass die Gedanken in Bezug auf die Frauen nicht „vom Geist“ her kommen, sondern lediglich der körperliche, biologische Aspekt in der Frau gesehen wird. Dabei geht es um die Frau, die in ihren körperlichen Eigenschaften einzig daran gemessen wird, dass sie Kinder gebären kann und es auch soll. Der zweite Satz hat einen finalistischen und heroisch/mythischen Anstrich: Jede Frau trägt die Aufgabe Kinder zu gebären und steht vor der Verantwortung ihr Volk leben oder sterben zu lassen. Die einzige „Bestimmung“ ihres Lebens ist es lediglich Kinder zur Welt zu bringen, um somit die „Volksgemeinschaft“ zu erhalten, was auch als „nationale Pflicht“ beschrieben wurde. Die Kinder, die die Frauen gebären und großziehen werden maschinell wieder an der Front verbraucht, sind lediglich Menschenmaterial. Hieran lässt sich sehen, dass auch für Männer der Kampf um Frauenemanzipation der Kampf um ihre eigene Menschlichkeit bedeutet.
„Todesbereitschaft – Lebensbereitschaft: Nun ist nur noch eines wichtig: Dass neben der Todesbereitschaft der Soldaten die Lebensbereitschaft unserer Mütter steht!“ (1940 in der N.S.-Frauenwarte)

Die deutschen Mütter wurden mit der Natur, Mutter Natur in Verbindung gebracht, aus deren Boden alles Leben entspränge. Die deutschen Frauen wurden dafür in gewisser Weise verehrt. So sind auf Gemälden von Müttern mit Kindern oftmals reife Ähren zu sehen, die also für die Fruchtbarkeit standen und nur noch „abgeernet“ werden mussten. Die Natur folgt mit ihren Jahreszeiten einem stets sich wiederholenden Ablauf, durch dessen Verbindung mit der Frau diese wieder einmal entindividualisiert wird, da die Frau ähnlich dem „Mutterboden“ oder der „Mutter Natur“ einem fortbestimmten Weg folgt, der bedeutet regelmäßig Kinder „hervorzubringen“. Die Natur spendet zwar einerseits Leben und ist etwas schützenswertes und natürliches, das in vielen Kulturen verehrt wird. Doch andererseits ist die Natur etwas „passives“, das von den Menschen bzw. den Männern im Nationalsozialismus bearbeitet, geformt und genutzt werden muss. Der Mutterkult, der sich auf die „deutsche Mutter“ als „Mutter des deutschen Volkes“ bezieht, steht somit in einer Gestalt, die keine Ehrung des Menschlichen sein kann. Das Biologische der Frau wird verehrt, doch auf ihren Geist, ihre Individualität, ihre Gedanken, Wünsche, Gefühle und all das was einen Menschen auch zu einem Menschen macht, ist nicht von Belang. Dass dieser Fakt vor allem Frauen, die nicht in das Idealbild der Nazis passen, aus der „Volksgemeinschaft“ exklusiert, macht jene „Volksgemeinschaft“ sehr deutlich.

Im Reich gab es sog. „Reichsbräuteschulen“ und Reichsmütterschulen, in denen die Frauen auf ihre Bestimmung vorbereitet wurden. Was dort gelehrt wurde, sollte sich vor allem aus Name der Einrichtung und dem Kontext erschließen lassen. Der sechswöchige Besuch der Reichsbräuteschulen war für Frauen von SS-Männern zwingend, die sich einer speziellen Prüfung unterziehen lassen mussten, bevor die Heirat mit SS-Männern genehmigt wurde.
Bei der Heirat verschenkte der Staat an jedes Paar ein Exemplar von „Mein Kampf“, was deutlich macht, dass vor allem die Ehe, die letztendlich Kinder hervorbringen soll, eine auf Adolf Hitler eingeschworene Angelegenheit ist. Die Heirat der SS-Männer, der besonders „arischen“, der „Eliten“ unter den Ariern, fanden als mythische „Eheweihen“ an Waldlichtungen statt, während die SS-Männer in Uniform waren. Hierdurch wurde ein mythischer Pathos vom Germanentum, den Ariern, befördert und die Heirat letztlich dieser Angelegenheit dienlich gemacht. In Uniform zu heiraten hat rein gar nichts mehr mit privaten Angelegenheiten wie Liebe zu tun, sondern entmenschlicht die Menschen. Es geht lediglich nur noch um die Reproduktion und Vermehrung einer Spezies, die von Individuen und ihren Belangen nichts mehr wissen will. Die Heirat ist somit als ein zentrales Element der Volksgemeinschaft zu betrachten.

Bei Eheschließung gewährte der Staat ein Ehestanddarlehen von bis zu 1000 Reichsmark (Der Monatslohn eines Industriearbeiters betrug ca. 120RM; eine Umrechnung in Euro ist schwierig, doch 1000 RM aus dem Jahre 1937 dürften heute ungefähr 4000€ sein.) Die Rückzahlung dieses Ehestanddarlehens verringerte sich pro Kind um 1/4, sodass nach dem vierten Kind das Darlehen zurück „gezeugt“ war. Die Kinder schenkte man also dem Staat. Zusätzlich gab es Medaillen für Mütter, nämlich das Ehrenkreuz der deutschen Mutter, Bronze für 4 Kinder, Silber ab 6 Kinder und Gold für 8 Kinder.

Gerne wurde von den Nazis Magda Goebbels als Vorzeigemutter präsentiert. Dass Magda Goebbels früh mit dem Buddhismus in Berührung kam und durch einen Verliebten in ihrer Jugend sogar mit dem jüdischen Glauben vertraut wurde, sodass sie eine Halskette mit Davidsstern trug und mit ihm fast ins „gelobte Land“ ausgewandert wäre, erwähnte man lieber nicht. Ebenso dass Joseph Goebbels mit einer den Rassengesetzen nach „Halbjüdin“ eine Beziehung hatte. Letztlich zählten ihre [Magdas] vielen Kinder, ihr Engagement für den Nationalsozialismus und ihr Äußeres. Doch dieser Idealtyp der deutschen Frau ist eine komplette Verdrehung der Tatsachen, denn viele Frauen in der Zeit hatten unter finanziellen Schwierigkeiten zu leiden. Die Kinder mussten versorgt werden und auf engem Raum untergebracht werden, der Krieg und die Rationierung von Gütern erschwerte es den Frauen, die sich nicht wie Magda Goebbels Haushälterinnen leisten konnten oder sonstige Vorzüge bekamen.

„Dass BDM-Mädchen zum Helfen in kinderreichen Familien verpflichtet waren und später die „Braunen Schwestern“ auf dem Lande an der Seite der Bäuerinnen standen, zeigt, dass die Arbeit der Frauen kaum zu bewältigen gewesen sein kann.“ (Gabriele Huster „Dem Führer ein Kind schenken, Mutterkult im Nationalsozialismus“, Seite 87)

Ehen zwischen „Ariern und Nicht-Ariern“ wurden nicht anerkannt. Scheidungsgründe zu der Zeit jedoch waren: unehrenhaftes Verhaltene eines Ehepartners, Geisteskrankheiten, stark ansteckende Krankheiten, Nachwuchsverweigerung und Unfruchtbarkeit.

Sterilisierungen

Sehr wichtig zu sagen ist, dass während die einen Frauen möglichst viele Kinder gebären sollten, andere überhaupt keine Kinder kriegen sollten und durften.
Aus „rassenhygienischen“ (eugenischen) Gründen wurde 1933 die Zwangssterilisation eingeführt, mit gleichzeitig härterer Bestrafung bei Abtreibung von arischen Kindern.
Auch behinderte Kinder sog. „Minderwertige“ sollten durch Abtreibung verhindert werden.
So kam es dazu, dass selbst behinderte Kinder von „arischen“ Eltern „wie die Katzen in eine Tonne geschmissen wurden“ (eine der zu Beginn genannten Zeitzeuginnen, geb. 1931). Entweder wurde dies von staatlicher Seite aus getan, oder viel öfter noch taten es die Familien oder deren Freunde selbst. Sie hatten Angst denunziert zu werden, oder sonstigen Repressalien ausgesetzt zu werden, wenn ein behindertes Kind bekannt werden würde, da dies meldepflichtig war.

Seit Ende 19. Jahrhundert hatten Leute Angst in Deutschland minderwertige Kinder würden mehr werden und die Strebsamen, begabten und „rassisch wertvollen“ verdrängen. Behinderte, „Schwachsinnige“, „Asoziale“, Kinder von Prostituierten, nicht heterosexuellen Elternteilen, psychisch Kranken (Depressiven, Schizophrenen), Blinden, Tauben, Alkoholikern usw., die also nicht im Interesse von „Volk“, „Rasse“ und „Volkskörper“ stünden, waren nicht in der Volksgemeinschaft erwünscht – noch weniger natürlich jene „Untermenschen“ aus Polen, Russland und anderen Teilen der Erde sowie an aller erster Stelle Jüdinnen und Juden. Schon in der Weimarer Republik und im Kaiserreich war man bedacht einen bestimmen Sozialcharakter in der Bevölkerung durchzusetzen, da man dem Glauben anhing, dass sich u.a. auch charakterliche Eigenschaften vererben ließen.

Viele verschiedene Berufsgruppen arbeiteten daran Kriterien für sog. „Minderwertige“ aufzustellen und wollten dem Rassismus ein wissenschaftliches Bild aufsetzen.

Abtreibungen waren bei erbgesunden Kindern verboten, wurden jedoch trotzdem häufig vorgenommen. Schätzungen belaufen sich zwischen 100.000 und sogar 1 Millionen jährlich Ende der 30iger Jahre. Im Reichssicherheitshauptamt wurde sogar eine „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibungen“ eingerichtet. Fehlgeburten mussten gemeldet werden und wurden an die Kriminalpolizei weitergegeben, die „verdächtigen“ Fällen nachging. Nach Beginn des Krieges nahm die Zahl der Abtreibungen stark zu, sodass ab 1943 in besonderen Fällen gar die Todesstrafe gegen die abtreibenden Frauen angewendet werden konnte. Von 1933 bis 1937 sind 300.000 Sterilisationen, die meist auf Zwang und gegen den Widerstand der Betroffenen angeordnet wurden, nachweisbar. Hieran starben rund 400 Frauen und 70 Männer. Ebenso fanden in dieser Zeit 7.000 „eugenische“ Schwangerschaftsabbrechungen statt, auf die eine Zwangssterilisierung folgen musste; bei den Frauen immer, bei den Männern je nach einzelnem Fall.

Die Kriterien und deren Überprüfung für die Feststellung von „Schwachsinnigkeit“ wurden im Laufe der Zeit geändert, da man nämlich zu viele dumme Kameraden in den Parteireihen ausmachte. (Zu) viele hatten im Intelligenztest nicht auf die Frage antworten können wer Mussolini war, gaben als Staatsform Deutschlands „Adolf Hitler“ als Antwort an oder dachten Deutschland stünde im Krieg mit Russland. Folglich setze sich 1936 in diesen Kriterien durch, dass vor allem die rassischen Eigenschaften und die Arbeitswillig- und Fähigkeit sowie Verdienste für die Partei und eine „Bewährung im Leben“ ausschlaggebend wurden.

Juristisch gesehen verlangte eine Sterilisation die Zustimmung des oder der Betroffenen, worauf aber kaum Wert gelegt wurde. So wurden im Sommer 1937 im Rheinland unter Geheimhaltung 400 Jugendliche sterilisiert, die von aus Afrika migrierten französischen Soldaten abstammten. Nach einer Zustimmung wurden diese Jugendlichen nicht gefragt, ebenso wie unzählig viele andere Menschen, sofern man ihre Zustimmung nicht einfach erzwang. Von viel größerem Ausmaß waren jedoch die Zwangssterilisierungen an Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa. Die (Zwangs)Sterilisierung von Menschen wurde über Zeit zu einer ganzen Industrie vorangetrieben, die immer weitere Einrichtungen im Reich hervorbrachte und vor allem in den KZs Massensterilisierungen durchführte.

Deutsche Frauen und die Juden

Mit besonders großer Hetze ging man gegen Frauen vor, die mit Juden Bekanntschaften oder gar ein Verhältnis oder ein Kind hatten. Die Strafen waren vor allem von demütigendem Charakter; die Bilder von Frauen mit Schildern um den Hals wie „Ich bin im Ort das größte Schwein, ich lasse mich mit Juden ein“ und abgeschnittenen Haaren oder anderen Grausamkeiten, dürften bekannt sein. Öffentliche Demütigung und die Behauptung, dass Geschlechtsverkehr mit Juden eine Frau für immer „unreinen Blutes“ gemacht hätte, waren meist die „einzige“ Bestrafung für die Frauen, während der entsprechende jüdische Mann nahezu sicher in ein Konzentrationslager verschleppt wurde. Die öffentlich gedemütigten Frauen wurden zwar nur selten Strafen wie Gefängnis, Zuchthaus oder Geldstrafen zugeführt, doch die sozialen und persönlichen Folgen einer öffentlichen Demütigung waren extrem(Zwischen 1935 und 1937 gab es im Frauenkonzentrationslager Moringen auch Frauen, die wegen „rassenschänderischen“ Verhaltens eingeliefert worden waren).
In der Nazipropaganda wurden deutsche Frauen davor gewarnt sich mit „rassenfremden“ Männern, vor allem Juden, einzulassen. Dabei wurden die Juden als Wesen beschrieben, die sich, mit dem Gedanken die arische Rasse zu zersetzen, hinterhältig an deutsche unschuldige und unbeholfene Frauen heranmachen wollten. Diese Umschreibung der Juden war wesentliches Element der Nazipropaganda und umfasste sämtliche Bereiche des Lebens und der Gesellschaft. Überall lauerte den Nazis nach „der Jude“, der Hinterhältiges im Schilde führe. Der Darstellung des Antisemitismus und Rassismus der Nazis kann an dieser Stelle auf keinen Fall gerecht werden; die kleine Anmerkung soll nur deutlich machen, dass auch in Bezug auf Frauen und Sexualität den Jüdinnen und Juden die „übliche“ Schuldrolle zugesprochen wurde. So wurde Emanzipation als etwas Jüdisches bezeichnet.

„Das Wort von der Frauenemanzipation ist ein nur vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort. Wir empfinden es nicht als richtig, wenn das Weib in die Welt des Mannes eindringt, sondern wir empfinden es als natürlich, wenn diese beiden Welten geschieden bleiben.“ (Adolf Hitler)

Sehr gerne wurde Rosa Luxemburg zur Zielscheibe faschistischer Propaganda, die als Jüdin im russischen Teil Polens geboren wurde und als Kommunistin mit ihrem kleinen Körper und einer Gehbehinderung trotzdem eine „große“ Frau war, welche viele noch heute als die „größte deutsche Frau“ bezeichnen. Rosa Luxemburg hatte wechselnde Liebschaften, denen sie jedoch nicht ihr politisches Wirken unterordnete. Da trafen nahezu sämtliche Eigenschaften zusammen, die dem rassistischen Menschenbild der Nazis zuwider waren.

Besonders hervorzuheben ist, dass Männer, die mit „nicht-arischen“ Frauen Verhältnisse hatten, sofern sie über einflussreiche Kontakte verfügten oder selbst einflussreiche Persönlichkeiten waren, manchmal durchaus eine Tolerierung dieser Umstände genießen konnten. Öffentlich zur Schau gestellt wurden nur Männer „nicht-arischer“ Herkunft, die deutsche Frauen „geschändet“ hatten. Es wurde behauptet durch Geschlechtsverkehr würde der männliche Samen vom weiblichen „Mutterboden“ aufgesaugt und somit in ihr Blut übergegangen. Ganz abartig wird der Fakt, dass deutsche Soldaten ganz selbstverständlich Frauen bei Feldzügen vergewaltigen durften. Sexueller Verkehr von Männern mit „nicht-arischen“ Frauen wurde toleriert; sie waren den deutschen Soldaten sozusagen „zum Abschuss“ frei gegeben und als Vogelfreie der völligen Willkür ausgesetzt. Man hatte Verständnis für Soldaten, die auf langen Feldzügen auch mal „Blumen am Wegesrand pflückten“ und ihren Sexualtrieb an jeglichen Frauen ausließen, während deutsche um jeglichen Preis sich in „Reinhaltung“ üben mussten.

Diese Umstände machen ganz besonders deutlich wie frauenfeindlich die Naziideologie und deren Umsetzung im Alltag waren. Oben genanntes stellt in aller Klarheit dar, dass es einzig und alleine die Welt des Mannes war, der beliebig über Frauen verfügen konnte.

Bei den heutigen Nazis hat sich nicht viel daran verändert. Eine Aussteigerin berichtete, dass als in ihrem politischen Umfeld jemand den Verdacht hatte Aids zu haben darauf hin zwei Frauen und elf Männer einen Aids-Test machten.

Nachdem Wehrmacht und oder SS eine Gegend erobert hatten, waren meist Massenvergewaltigungen, Plünderungen, Hinrichtungen, Progrome, Zerstörungen und sonstiger Terror ungeahnten Ausmaßes an der Tagesordnung, die systematisch toleriert und auch gewollt waren. Hieran kann das menschenfeindliche System und die Ideologie hinter diesem gut „gemessen“ werden. Dass Soldaten schon immer solche Grausamkeiten und Verhaltensweisen an den Tag legten und legen, ist in der Sache an sich bedingt – doch die Ausartungen von Wehrmacht und vor allem SS stehen in ihrem Ausmaß nahezu unvergleichbar dar.
So schreibt Heinrich Himmler im Januar 1943, dass es „menschlich sehr erklärlich“ sei, dass die „sexuell völlig ausgehungerte Truppe“ sich so verhalten hatte. Es ging um den Bericht eines SS-Obergruppenführers Dietrich, der Himmler berichtete in der Leibstandarte hätte es während des Aufenthalts in Frankreich 7000 Trippererkrankungen gegeben.

Frauen im Krieg

Da mit Voranschreiten des Kriegsgeschehens „Not am Mann“ war, wurden die Frauen in und außerhalb der Organisationen wie dem BDM zunehmend dazu abkommandiert in praktischen Aufgabengebieten tätig zu werden und immer mehr die Berufe zu übernehmen, die früher die Männer inne hatten. Dass die Frauen immer weiter die Männer zuhause ersetzen mussten, war ein unerträgliches Leid für sie, die sie doch gewohnt waren im Mikrokosmos des eigenen Herds zu leben. Nicht nur, dass sie hart arbeiten mussten; sie mussten mit Kreativität und Improvisierungsvermögen all die Mängel an Lebensmittel und alltäglichen Waren kompensieren, die der Krieg und vor allem die vollkommene Misswirtschaft der Nazis zu verantworten haben. (In der BRD leben heute zwei Gruppen von Menschen, die wirklich kennen was Hunger ist: Frauen, die zu Hitlerzeiten schon lebten und MigrantInnen aus manchen Gegenden der Erde.) Die Mädchen und Frauen mussten Nachbarschaftshilfe leisten, Kindergärten betreuen, Ernten helfen, Sendungen an Frontsoldaten machen, Lazarette besuchen und Soldaten unterhalten. Zunehmend mussten auch Arbeit in Gesundheitsversorgung und im „öffentlichen Dienst“, Kriegsindustrie und Luftwaffe bzw. Flak angenommen werden. Dies wurde von den Nazis heroisch als der Kampf der Frauen an der „Heimatfront“ beschrieben, die Volksgemeinschaft war nun also in die kämpfenden Soldaten und die arbeitenden Frauen geteilt.
Viele Frauen mussten auf dem Land zusammen mit Kriegsgefangenen arbeiten, um den Bauern zu helfen. Für viele Frauen war dies das erste Mal die Möglichkeit Kontakt zu Ausländern aufzunehmen. So fingen oftmals Frauen an dem Menschenbild der Nazis keinen Glauben mehr zu schenken. Auch überzeugte Nazifrauen kamen bei solcher Arbeit zu der Erkenntnis, dass „der Russe“ gar nicht so schlimm sein könne. Oftmals unterstützen Frauen die Zwangsarbeiter mit Nahrungsmitteln oder anderen Dingen und unterhielten unter Androhung von Strafe so gut es ging mit diesen. Auf dem Land konnten Regeln gut umgangen werden, was den Nazis bewusst war, sodass die Kriegsgefangenen öfters ganz urplötzlich verlegt wurden. Für die Frauen war dabei auch noch Jahrzehnte nach dem Krieg die Ungewissheit das Schlimme. Die Ungewissheit was mit einem Kriegsgefangenen passierte, der plötzlich eines Tages weg war und den man vorher kennen gelernt hatte. Dieser Umstand findet sich noch in vielen anderen Situationen und Bereichen der Gesellschaft des Nationalsozialismus wieder (Menschen im KZ, Flüchtlinge, Männer an der Front usw.). Bis zu ihrem Tod tragen noch heute nicht nur viele alte Frauen die Ungewissheit was mit Menschen passiert ist, die sie in der Nazizeit kennen lernten.

„Vergessen schien ihre Beschränkung auf „Glaube und Schönheit“ und Mutterschaft.“ So Brigitte Kather in „Mädchenerziehung – Müttererziehung?“ über die arbeitenden Frauen während des Krieges („Frauen unterm Hakenkreuz“ Seite 47)

Frauen beschuldigen sich selbst in Leserbriefen von Zeitschriften nur einen Sohn geboren zu haben, der im Krieg dann gefallen war und nicht ersetzt werden konnte.

„Was wir als Tragik empfinden, ist der Umstand, dass wir leider nur den einen hatten, trotzdem wir hätten mehrere haben können, wenn wir damals nicht leider dem von jüdischem Literatengeschmeiß aufgestellten Grundsatz, möglichst beim 2-Kinder-System zu bleiben, verfallen gewesen wären“ (Das schwarze Korps, 7. Jg., Folge 4 vom 23.1.1941, S. 4)

Während des Krieges waren „Fernehen“ möglich, also Eheschließung von Frauen mit Soldaten an der Front, damit Kinder nicht unehelich waren. Später sogar war dies mit bereits Gefallenen möglich. Bei den Eheschließungen daheim wurde der fehlende Mann durch einen Stahlhelm „ersetzt“.

Für die Zeit nach dem Krieg war sogar angedacht, dass durch den Verlust sehr vieler Männer diese die Möglichkeit haben sollten, mit zwei Frauen verheiratet zu sein.

Um das Geburtenwachstum „erbgesunder“ Kinder weiter zu steigern, führte Himmler 1935 13 Lebensbornheime ein. Dort konnten „arische“ Frauen Kinder mit SS-Soldaten zeugen.
„über die Grenzen sonst notwendiger bürgerlicher Gesetze und Gewohnheiten hinaus wird es auch außerhalb der Ehe für deutsche Frauen und Mädel guten Blutes eine hohe Aufgabe sein können, nicht aus Leichtsinn, sondern in tiefstem sittliche Ernst Mütter der Kinder ins Feld ziehender Soldaten zu werden, von denen das Schicksal allein weiß, ob sie heimkehren oder für Deutschland fallen.“
In diesen Heimen wurden ca. 11.000 Kinder mehr oder weniger gezüchtet. Frauen wurden in diesen Heimen gut versorgt und mit im Krieg seltenen Gütern und Lebensmitteln ausgestattet. SS-Soldaten wurden von ihren Vorgesetzten dazu gedrängt solche Lebensbornheime aufzusuchen. Die Frauen durften gezeugte Kinder nicht selbst großziehen.

Anhang

Es fällt abschließend nur sehr schwierig diesen Wahnsinn zu kommentieren. Jede und jeder sollte sich seine Gedanken am besten selbst machen und die Schlüsse über dieses menschenvernichtende System ziehen. Die Verantwortung von uns allen setzt es voraus.

Das Dokument NI-7184:

“Bezüglich des Vorhabens von Experimenten mit einem neuen Schlafmittel würden wir es begrüßen, wenn Sie uns eine Anzahl von Frauen zur Verfügung stellen würden (…)”

“Wir erhielten Ihre Antwort; jedoch erscheint uns der Preis von RM 200.- pro Frau zu hoch. Wir schlagen vor, nicht mehr als RM 170,- pro Kopf zu zahlen. Wenn Ihnen das annehmbar erscheint, werden wir Besitz von den Frauen ergreifen. Wir brauchen ungefähr 150 Frauen. (…)”

“Wir bestätigen Ihr Einverständnis. Bereiten Sie für uns 150 Frauen im bestmöglichsten Gesundheitszustand vor, und sobald Sie uns mitteilen, daß sie soweit sind, werden wir diese übernehmen (…)”

“Erhielten den Auftrag für 150 Frauen. Trotz ihres abgezehrten Zustandes wurden sie als zufriedenstellend befunden. Wir werden sie bezüglich der Entwicklung der Experimente auf dem Laufenden halten (…)”

“Die Versuche wurden gemacht. Alle Personen starben. Wir werden uns bezüglich einer neuen Sendung bald mit Ihnen in Verbindung setzen.”

(Das Dokument aus der Korrespondenz der Firma BAYER mit dem Kommandanten des KZ Auschwitz, das der Anklagebehörde bei den Nürnberger Prozessen vorlag, veröffentlichte die Zentralkommission zur Untersuchung der Naziverbrechen in Polen. Jan Sehn: Konzentrationslager Oswiecim-Brzezinka – Auschwitz-Birkenau, Warszawa 1957, S. 89 f. Fn.2, Nürnberger Dokumente NJ. 7184)

Blick 1933 (geschrieben 1933)

Nein, in fünfzehn Jahren haben sie nichts gelernt, alles vergessen und nichts gelernt. Wieder haben sie versagt, wieder sind sie gestrandet, wurden gehäuptet und geschunden.
Viele haben gewarnt, seit Jahren gewarnt. Dass unsere Stimmen verhallten, ist unsere Schuld, unsere größte Schuld.

Als ob die Vernunft je regiert hätte, als ob nicht gerade das unvernünftig Planlose Deutschland, Europa in den Sturz getrieben hätte!

Die Folgen sind furchtbar. Das Volk lernt Ja sagen zu seinen niederen Instinkten, zu seiner kriegerischen Gewaltlust. Geistige und moralische Werte, in Jahrtausenden mühsam und martervoll errungen, sind dem Spott und Hass der Herrschenden preisgegeben. Freiheit und Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit – vergiftete Phrasen, fort mit ihnen auf den Kehrichthaufen!

Lerne die Tugend des Barbaren, schießen, stechen, rauben, unterdrücke den Schwächeren, merze ihn aus, brutal und rücksichtslos, verlerne, des anderen Leiden zu fühlen, vergiss nie, dass Du zum Rächer geboren bist, räche Dich für die Kränkungen von heute, für die Kränkungen von gestern und für jene, die morgen Dich treffen könnten, sei stolz, Du bist ein Held, verachte friedliches Leben und friedlichen Tod, höchstes Glück der Menschheit ist der Krieg.

Lerne, dass einzig Blut ein Volk formt und baut und erhöht. Du willst wissen, was es mit diesem Blut für eine Bewandtnis habe in einem Lande, das von zahllosen Stämmen bewohnt und durchquert ward, frage nicht, glaube! Schon Dein Fragen ist verdächtig, hüte Dich, dass wir Dich nicht in die Reihen jener stoßen, die getilgt werden müssen vom Erdboden.

Und Europa?
Wie ein kleiner Makler, der auf die Kurse der Abendbörse wartet, auf neuen Gewinn und neuen Profit, und ein Erdbeben begräbt ihn mitsamt seiner Börse, so verharrt Europa. Weil Tausend Kriegsspekulanten an Granaten und Bomben, an Giftgasen und Pestbazillen Milliarden verdienen, und diese Blutmilliarden nationale Werte heißen, schweigen die Völker.

Wenn ein Schiff im Sturm treibt auf dem Atlantik, hat der Kapitän viele Mittel, den Aufprall der Wogen zu dämmen und Gefahren zu bannen, Menschen helfen ihm und Maschinen, er braucht nicht Furcht zu haben vor Hungersnot, die Kammern bergen Brot und Kleider und Kohlen. Aber wenn das Schiff zerschellte und die Menschen auf Planken treiben, was helfen dann Wille und Tatkraft und Vernunft?

Wo seid Ihr, meine Kameraden in Deutschland?

Ich sehe Euch nicht, und doch weiß ich Ihr lebt.
Im Weltkrieg war ein Mann, unter Millionen ein Mann die Stimme der Wahrheit und des Friedens, und das Grab des Zuchthauses konnte die Stimme Karl Liebknechts nicht ersticken.
Heute seid Ihr seine Erben.
Ihr habt die Furch überwunden, die den Menschen demütigt und erniedert. In stiller unermüdlicher Arbeit achtet Ihr nicht Verfolgung und Misshandlung, Gefängnis und Tod.

Um ehrlich zu sein, muss man wissen. Um tapfer zu sein, muss man verstehen. Um gerecht zu sein, darf man nicht vergessen. Wenn das Joch der Barbarei drückt, muss man kämpfen und darf nicht schweigen. Wer in solcher Zeit schweigt, verrät seine menschliche Stellung.

Am Tag der Verbrennung meiner Bücher in Deutschland.

(aus Ernst Toller „Eine Jugend in Deutschland“. Ernst Toller war Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, entwickelte jedoch während dieser Zeit eine pazifistisch, revolutionäre sozialistische Einstellung und engagierte sich in der Münchener Räterepublik, woraufhin er 5 Jahre in Haft kam. Er floh 1933 wegen seinen jüdischen Wurzeln und seinem politischen Wirken. In New York nahm er sich 1939 aufgrund psychischen Drucks das Leben.)

Johanna Kirchner als Widerstandskämpferin

Der Widerstand von Frauen im Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 wurde und wird bis heute oftmals unausreichend beleuchtet, falsch dargestellt oder gar verschwiegen. Die Frauen galten, dem faschistischen Weltbild angepasst, meist als reine Unterstützerinnen oder Helferinnen der Männer, die sich im Widerstand befanden. Dass sich jedoch auch viele Frauen gegen den Faschismus, Krieg und Unterdrückungsmechanismen stellten wird dabei oft außen vor gelassen. Gerade sie wurden durch die faschistische Ideologie Unterdrückt, in extreme Rollenbilder gedrängt und „zur Erhaltung des deutschen Volkes“ verantwortlich gemacht. Die NSDAP war eine Männderpartei in der Frauen keine tragende Rolle spielten. Vielmehr organisierten Frauen sich in der Weimarer Republik in sozialdemokratischen oder kommunistischen Organisationen oder Parteien. So waren Hitler und der NSDAP gerade emanzipierte, fortschrittliche und linke Frauen ein Dorn im Auge und nicht nur ein Anhängsel des männlichen Widerstandes. Viele Frauen organisierten sich selbstständig und konnten wichtige Arbeit für einen antifaschistischen Widerstand leisten.

Wir möchten an dieser Stelle den Widerstand einer Antifaschistin beleuchten. Ihr Name ist Johanna Kirchner. Sie wurde am 24. April 1889 in Frankfurt am Main geboren. Vor ihrer Heirat hieß sie Johanna Stunz und war in ihrer Jugend bereits politisch aktiv und organisiert. Mit 14 Jahren schloss sie sich der sozialistischen Arbeiterjugend an und ab ihrem 18. Lebensjahr war sie Mitglied der SPD. 1913 heiratete Johanna Strunz Karl Kirchner und übernahm seinen Nachnamen. 1919 engagierte sie sich in einer Arbeiterwohlfahrt, deren Motto „Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft“ lautete. Sie war keine Theoretikerin, sondern versuchte sich stets für bedürftige Menschen aus der Arbeiterklasse einzusetzen und hat somit zu einer Stärkung des Klassenbewusstseins beigetragen.
Ab dem Beginn der Naziherrschaft, 1933, musste Johanna Kirchner als aktive Antifaschistin untertauchen, da sie bei einer Befreiung eines Nazigegners mitgeholfen hatte. Sie flüchtete nach Saarbrücken, die Gestopa war ihr jedoch auf den Fersen. So hat sie also aus dem Untergrund weiter politische Arbeit gemacht. Sie schrieb Pläne und Berichte und verbreitete illegale Flugblätter.
Johanna arbeitete schon immer mit der KPD zusammen und wirkte stets aktiv gegen die Spaltung der Arbeiterklasse. So war es auch während des Widerstandes. Im Saarland lernte sie Lore Wolf kennen, die Mitglied der KPD war. Mit ihr organisierte und engagierte sie sich in der Roten HIlfe mit dem Ziel „die Einheit der Arbeiterbewegung in der antifaschistischen Arbeit“ zu schaffen und GenossInnen für den Kampf in Spanien zu gewinnen.
Die Deutsche Armee rückte vor und die Arbeit wurde schwerer. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wird Johanna Kirchner auf Erlass der französischen Regierung interniert. Obwohl es zunächst gelang, sie mit Hilfe französischer Freunde aus dem Lager Gurs zu befreien, wurde sie 1942 von der Vichy-Regierung verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert. Sie wurde wegen Landesverrats zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, doch 1944 wurde ihr Verfahren vom Volksgerichtshof erneut aufgenommen. Am 9. Juni 1944 wurde Johanna Kirchner in Berlin-Plötzensee hingerichtet.